Esplanade

Koproduktion: Nanne Buurman
Video (2'45'', Farbe, Ton)


Allsicht

Im postkolonialen Diskurs wurde im Zusammenhang mit Orientalismus viel über den voyeuristischen Blick auf verschleierte Frauen geschrieben. Insbesondere kolonialistisch-touristische Entschleierungsfantasien und der Topos des Harems spielen dabei eine große Rolle. In Esplanade geht es jedoch nicht um die exotisierende Lust, Mutmaßungen über den Charakter des Verborgenen anzustellen. Der Schleier wird vielmehr als Suture, als Einschnitt ins Dispositiv der Sichtbarkeit exponiert. Diese stellt die Dialektik der Praxis des Sehens heraus, in der das Unsichtbare konstitutiv für das Sichtbare ist. Die Kontraste zwischen Hell und Dunkel, Licht und Schatten, Flutscheinwerfern und Sonnenschirmen, sowie dem Strand als Bühne für verschleierte Flaneure werden in dem Video eindrücklich in Szene gesetzt. Entgegen herkömmlicher Filmdramaturgie von Totale-Halbtotale-Closeup ist in diesem Video jedoch eine Fokussierung einzelner Personen nicht vorgesehen. Während die Kamera hilflos versucht scharfzustellen, werden die Betrachter in ihrer Erwartung frustriert, nach einem Establishing Shot nun näher an die Figur heranzuzoomen. Auch die Verschleierungen enthüllen den Blick des Betrachters, indem sie ihn wie ein Schutzschild den Schuss an sich abprallen lassen und auf sich selbst zurückwerfen. Die von Imperativen der Sichtbarkeit strukturierte Begierde nach Allsichtigkeit wird hier gegen sich selbst gewendet. Statt der angeblickten Subjekte wird der Blick des Betrachters exponiert.

– Nanne Buurman, 2011

 

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